Junde Frau mit Gesichtsmaske im Corona Lockdown

Corona und der Lockdown: so kommst Du besser durch die nächste Welle

Es ist Mitte November, die zweite Welle ist da und wir sind wieder mittendrin im Corona-Lockdown. Ich weigere mich, ihn “light” zu nennen, denn für manche Menschen ist er alles andere als das. Ganz deutlich: ich weiß, dass diese Zeit für viele Menschen nur schwer zu auszuhalten ist. Ich will es gar nicht weiter ausführen und noch mal wieder Salz in die Wunde streuen.

Aber es gibt gleich mehrere gute Nachrichten und die stehen bei HappyByMyself ja im Fokus:

Eines schönen Tages wird es wieder anders. Unsere Lebensumstände werden vermutlich nicht wieder exakt so sein wie vor Corona, aber es wird wieder weitaus besser sein, als jetzt. Wir müssen da jetzt durch und mit vernünftigem Verhalten können wir alle dazu beitragen, dass es schneller geht.

Du kannst trotzdem etwas tun, um die Situation für Dich (und auch für andere) besser zu machen. Was das ist, erfährst Du in diesem Artikel.

Radikale Akzeptanz im Corona-Lockdown

Du hast richtig gelesen. Radikale Akzeptanz. Das ist ein Begriff aus der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT), die in den achtziger Jahren von Marsha M. Linehan zur Behandlung von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt wurde. Dieser Ansatz kann jedoch auch für Dich hilfreich sein. Es geht um das Akzeptieren der Situation.

Wir haben einen Lockdown in einer Corona-Pandemie. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Du kannst toben, wüten, weinen, fluchen und 300 Mal am Tag sagen, dass Du willst, dass es aufhört – das wird aber nichts ändern. Stattdessen wird es Dich wahnsinnig viel Energie kosten. Du arbeitest Dich an etwas ab, was nicht in Deiner Macht liegt. Was das Gefühl von Hilf- und Machtlosigkeit noch verstärkt.

So lange Du die Situation nicht akzeptierst, befindest Du Dich fortwährend in einem Zustand von Kampf. Das ist enorm anstrengend und geht nicht nur zu Lasten Deiner Psyche sondern auch zu Lasten Deines Immunsystems – was wir grundsätzlich schon nicht möchten, in diesen Zeiten aber noch weniger.

Stattdessen kannst Du Dir sagen: Es ist wie es ist (könntest Du Dir als Mantra verinnerlichen). Das bedeutet nicht, dass Du es gut finden musst. Trotzdem: Nimm die Situation an und höre auf, Deine Energie an etwas zu verschwenden, was Du nicht ändern kannst. Danach kannst Du den nächsten Schritt gehen und schauen, was Du brauchst, damit es Dir besser geht.

Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Wir haben nicht immer in der Hand, was uns geschieht, aber wir haben immer eine Wahl, wie wir damit umgehen möchten. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Steuere Deine Aufmerksamkeit

Energie folgt der Aufmerksamkeit. Mit anderen Worten: Das, worauf Du Dich konzentrierst, verstärkst Du. Wenn Du Dich also den ganzen Tag mit Corona und dem Lockdown auseinandersetzt – macht es das nicht besser. Achte auf Deine Gedanken und steuere bewusst gegen, wenn Du merkst, dass Dir das Thema wieder in den Sinn kommt. Konzentriere Dich auf das, was Du gerade tust um mit den Gedanken in der Gegenwart zu bleiben. Denn in Tendenz beziehen sich alle Gedanken im Zusammenhang mit Corona auf die Zukunft und auf die Angst vor dem, was kommt – egal in welchem Lebensbereich.

Schau auch, über welche Themen Du Dich mit den Menschen unterhältst, die Du triffst. Sei es Deine Familie, ein/e Freund/in oder die Kolleginnen und Kollegen auf der Arbeit. Du musst nicht jedes Mal auf das Thema mit einsteigen. Es gab schließlich ein Leben vor Corona. Worüber habt Ihr Euch da unterhalten? Fokussiert Euch auf andere, im Idealfall natürlich positive Themen. Denn der Satz “Geteiltes Leid ist halbes Leid” ist meiner Ansicht nach mit Vorsicht zu geniessen, auch wenn es sicher manchmal gut tut, mit jemandem zu reden.

Generell gilt: Richte Deine Aufmerksamkeit auf die positiven Dinge. Denn das, worauf Du Deine Aufmerksamkeit richtest, verstärkst Du – negativ wie positiv!

Weniger Corona: Nachrichtenkonsum einschränken

Ich kenne das von mir selbst: je mehr Nachrichten ich schaue, desto panischer werde ich. Warum? Weil das Thema die Medien beherrscht und ich fast zwangsweise das Gefühl bekomme, dass die ganze Welt im Corona-Sumpf untergeht, es keine anderen und schon gar keine guten Nachrichten gibt.

Da hilft nur eins: Weniger Nachrichten schauen/lesen/hören. Auch wenn Du nicht jeden Tag Tagesschau, heute journal oder Tagesthemen, was immer Deine Quellen sind, konsumierst – die wichtigen Dinge wirst Du mitbekommen. Finde für Dich heraus, wie viel Nachrichten Dir gut tun. Informiere Dich zielgerichtet und vermeide, dass es einfach überall auf Dich einprasselt. Es liegt an Dir.

Internet und Social Media im Lockdown bewusster nutzen


Das gleiche gilt für Deinen Internet- und Social Media-Konsum. Hier ist es besonders wichtig darauf zu achten, was Du Dir beispielsweise in den sozialen Medien anschaust. Die Rede ist von der sogenannten “Filterblase”. Die Algorithmen von Facebook und Co. funktionieren nach dem Prinzip “mehr desselben”. Sie tracken also, was Du Dir anschaust und servieren Dir mehr desselben und weitere dazu passende Inhalte. So bildet sich eine Art Blase Deiner Interessen, was reinkommt oder nicht, wird anhand Deines bisherigen Verhaltens vorgefiltert. Je mehr News in Sachen Corona und Lockdown Du Dir ansiehst, um so mehr wirst Du serviert bekommen.

Aber im Umkehrschluss: Je mehr positive Themen Du Dir anschaust, um so mehr bekommst Du davon zu sehen. Das kannst Du ausprobieren. Vielleicht fängst Du spaßeshalber an, lustige Tiervideos zu schauen und zu liken. Je mehr Du das tust, um so mehr wirst Du davon in Deinem Feed zu sehen bekommen. Keine Angst – es geht jetzt nicht darum, den ganzen Tag Katzencontent (der übrigens am erfolgreichsten in den sozialen Medien ist) anzuschauen, sondern einfach achtsam zu sein und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was Du Dir ansiehst.

Schöne Geschichten schauen oder lesen

Ich bin normalerweise kein großer Fan von “Unterhaltung”. Ich glaube, je mehr Unterhaltung in Form von Filmen, Videospielen, Social Media oder was auch immer wir konsumieren, um so mehr werden wir von uns selbst abgelenkt. Viel zu selten halten wir inne, horchen in uns hinein und setzen uns mit uns selbst auseinander.

In diesen Zeiten wiederum können wir Unterhaltung aber ganz bewusst positiv einsetzen. Wenn Du das Gefühl hast, dass Du Dich dringend mal Deiner aktuellen Situation entziehen musst, lass Dich von einem schönen Film in eine andere Welt entführen. Und damit meine ich nicht Filme wie das Kettensägen-Massaker, Kriegsfilme oder andere nervenaufreibende Genre. Such Dir Themen und Geschichten, die Dich fröhlich stimmen, die Dir gut tun und ein positives Gefühl bei Dir hinterlassen.

Gleiches gilt für ein gutes Buch, das sich auch wunderbar mit einer leckeren Tasse Tee oder Kaffee und ein paar Plätzchen ergänzen lässt und mit einem kleinen Genussmoment dabei doppelt gut tut.

Bewege Dich draußen in der Natur

Im Winter, der “dunklen” Jahreszeit, haben ohnehin schon viele Menschen das Problem, dass ihre Stimmung aufgrund des mangelnden Tageslichts eher gedrückt ist. Kommt noch ein Thema wie Corona dazu, wird es extra schwierig.

Etwas, das sofort hilft, ist ein Spaziergang an der frischen Luft. Es geht gar nicht um x Kilometer joggen – eine halbe Stunde spazieren gehen hat schon einen erstaunlichen Effekt, erst recht, wenn Du es mehrfach die Woche in Deinen Tag integrieren kannst. Eine Studie der Universität Michigan kommt zu dem Schluss, dass schon 20 Minuten in der Natur ausreichend sind, um das eigene Stresslevel signifikant zu verringern und sich sofort besser zu fühlen. Noch spürbarer wird der Effekt, wenn Du Dich zusätzlich bewegst. Nicht umsonst wird Bewegung auch im Kampf gegen Depressionen eingesetzt.

Ich kann hier aus dem Nähkästchen plaudern: Gehe ich zwei bis drei Mal die Woche spazieren, idealerweise im Wald, zumindest aber in der Natur (und nicht in einer überlaufenen Fußgängerzone), bin ich erheblich ausgeglichener, als wenn ich es nicht tue. Meine Stimmung ist besser, meine Beziehungen ebenfalls, es fällt mir leichter mich gut zu ernähren und ich lasse mich nicht so leicht aus der Fassung bringen. Ich selbst habe den Effekt jahrelang unterschätzt. Also: runter vom Sofa und einmal um den Block!

Mach Dir Deine Situation bewusst: könnte es schlimmer sein?

Mir persönlich hilft es auch manchmal, einen ehrlichen Blick auf meine Situation zu werfen und meine Einschätzung eventuell etwas zu relativieren. Da fällt mir dieses Zitat wieder ein: “Ich weinte, weil ich keine Schuhe hatte. Bis ich einen traf, der keine Füße hatte.”

Wenn ich meine Lage beleuchte, die ich in dem Moment vielleicht als sehr schlimm empfinde, mache ich mir einige Dinge bewusst: Ich lebe in einem Land, in dem Frieden herrscht – kein Krieg. Ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich habe etwas zu essen. Wenn alle Stricke reißen, fängt mich unser Staat auf. Ich habe Zugang zu medizinischer Versorgung. All das ist weitaus mehr, als in sehr vielen anderen Ländern dieser Welt. Stelle ich mir dann vor, all diese Dinge wären nicht so – relativiert sich die Dramatik meiner Lage sofort. Um das Bewusstsein dafür zu schärfen und nicht zu verlieren, schaue ich immer mal wieder den Weltspiegel am Sonntagabend in der ARD.

Missversteh mich nicht: ich kenne Deine Situation nicht und maße mir nicht an, sie zu beurteilen. Ich weiß auch nicht, wie schlecht Du Dich fühlst und möchte es auch nicht kleinreden. Ich rede hier von mir und einer Strategie, die für mich funktioniert. Vielleicht ja auch für Dich.

Die Stimmung mit einer Tageslichtlampe verbessern

Wenn Du viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringen musst, sei es daheim oder am Arbeitsplatz, kann eine Tageslichtlampe (auch Lichtdusche genannt) eine echte Hilfe sein. Ihr Licht hat tatsächlich einen merklichen Einfluss auf die Stimmung und sorgt zusätzlich dafür, dass Du insgesamt wacher bist. Dass das funktioniert merkst Du spätestens, wenn Du versehentlich die Lampe zu lange angeschaltet gelassen hast und am Abend nicht ins Bett findest, weil Du knallwach bist.

Dass eine Tageslichtlampe einen positiven Effekt auf die Psyche hat, ist auch wissenschaftlich belegt. Als Einsatzgebiete werden neben der Winterdepression auch morgendliche Antriebslosigkeit und Schlafstörungen genannt. Ich habe so ein Schätzchen bereits seit Jahren am Arbeitsplatz stehen und möchte sie nicht mehr missen. Taugliche Exemplare gibt es schon für 30 – 40 Euro.

Pflege Deine sozialen Kontakte – besonders im Lockdown

Wir Menschen sind soziale Wesen und das, was vielen Menschen im Corona-Lockdown vielleicht am meisten fehlt, ist der Kontakt zu anderen. Ja, viele Konakte können wir aktuell nicht live und in Farbe sehen, sie berühren, mit ihnen in einem Raum sein – aber es gibt jede Menge technische Möglichkeiten für eine vorübergehende Alternativlösung.

Wen vermisst Du aktuell? Greif zum Telefon und ruf an. Wenn Du technisch affin bist, schnapp Dir Smartphone, Tablet, Laptop oder PC und schau nach einer Videokonferenz-Software oder anderen Alternativen. Von Facetime, Skype über Google Meet bis hin zu Zoom sind die Angebote schier endlos. Und schon hörst Du Dein Gegenüber nicht nur, Du siehst es auch.

Ja, ich weiß, was Du jetzt sagen willst. Und Du hast Recht. Es ist nicht das Gleiche. Aber es ist besser, als den anderen nicht zu sehen. Probier es aus.

Schaffe Dir Routinen im Corona-Lockdown

In einer Zeit wie dieser, in der viele Dinge durch den Lockdown und Corona eben nicht mehr sind wie sie einmal waren und wie wir sie gewohnt sind, macht sich bei vielen Menschen zunehmend ein Gefühl der Unsicherheit breit. Auch das drückt auf die Stimmung, denn Unsicherheit ist oft gleichbedeutend mit Angst.

Auch dem kannst Du entgegenwirken: Routinen, also wiederkehrende Abläufe, geben uns Sicherheit. Welche Routinen kannst Du in Deinem Leben etablieren? Was tut Dir gut und wie kannst Du Dinge miteinander verknüpfen, so dass es Dir leicht fällt, vielleicht sogar eine Gewohnheit daraus zu machen?

Vielleicht kommst Du gestresst von der Arbeit heim, der Weg war nervenaufreibend, zu viele Menschen unterwegs und vorher noch eine Diskussion mit den Kollegen. Was machst Du, um daheim erst einmal runterzukommen? Vielleicht etablierst Du einen kleinen Spaziergang zum Feierabend in Deinem Leben? Oder eine Tasse Tee mit leiser Musik oder auch völliger Stille? Die Möglichkeiten sind so vielfältig, wie wir Menschen.

Was immer Dir gut tut – tu mehr davon

Schau, was für Dich funktioniert und integriere es in Deinen Alltag. Und brainstorme, was Dir noch gut tut. Vielleicht kochst Du gern und isst mit Genuss? Dann zelebriere es. Vielleicht liebst Du ein duftendes Schaumbad? Oder tobst eine Runde mit dem Kindern? Vielleicht magst Du Gesellschaftsspiele oder Rätselhefte, puzzlen oder häkeln? Was immer Du findest, was Dir gut tut, tu mehr davon. Das ist nicht nur eine Strategie im Lockdown in Corona-Zeiten – nimm es Dir einfach pauschal zu Herzen.

Und: bleib dran! Auch wenn es zwischendurch Tage gibt, an denen Du das Gefühl hast, es bringt alles nichts. Selbst wenn wir keine Corona-Pandemie hätten – wir können nicht jeden Tag glückselig durch die Gegend hüpfen, wir brauchen auch die anderen Tage. Das ist völlig okay. Wir dürfen nur nicht zulassen, dass sie überhand nehmen.

Ganz wichtig: wenn Du das Gefühl hast, es geht Dir schlechter und schlechter und Du kannst Dich selbst nicht aus diesem Tief befreien oder denkst gar darüber nach, dass Dein Leben nichts mehr wert ist – such Dir bitte professionelle Hilfe. In vielen Städten gibt es den sozialpsychiatrischen Dienst als erste Anlaufstelle und auch Seelsorge-Rufnummern. Auch hier weiß ich, wovon ich rede: ich bin vor vielen Jahren selbst schon diesen Weg gegangen. Achte auch auf Deine Mitmenschen – nicht immer sieht man jemandem an, wie schlecht es ihm geht. Bleib aufmerksam – Dir selbst und anderen gegenüber.

Für den Moment wünsche ich Dir trotz allem auch heute wieder: einen glücklichen Tag.
Lass es Dir gut gehen!

Anika von HappyByMyself

Für tägliche Impulse folge HappyByMyself gern auf Instagram oder Facebook. Immer wieder gute Nachrichten gibt es auch im Happiness-Letter, für den Du Dich hier eintragen kannst.

Bildquelle: John-Mark Smith auf Unsplash

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top